Vom Nasenbär …

… und anderen Säugetieren

Auf dem Gebiet der Heinschule St. Landolin haben 1989 aufstrebende, wissbegierige und lebensfrohe Jungwissenschaftler eine Reihe von Tierarten entdeckt, von denen man dachte sie wären schon längst ausgestorben. Ein vergleichbar wertvoller Fund ist nur noch die Entdeckung des Latimeria aus der lange Zeit für ausgestorben gehaltenen Gattung der Quastenflosser. Viele dieser jungen lebensfrohen, Wissenschaftler wurden während der dreijährig andauernden Studie dieser meist gefährlichen und aggressiven Tiere ihres Lebens nicht mehr froh und verließen das Forscherteam (s. „Die, die uns verließen“) um sich anderen Aufgaben zu widmen.

Man hat dieses Territorium auch schon mit der „VERLORENEN WELT“ verglichen, weil in ihm die Vegetation und Lebensweise wie vor Millionen von Jahren von statten geht. Nach Abschluß der Studien haben wir nun ein etwaiges Bild wie das Leben vor ca. einer Million Jahre abgelaufen ist. Und es ist ganz erstaunlich, daß diese primitiven Tiere so etwas wie eine Rangordnung haben. Mit dem Nasenbär, auch Konservativus Gellus genannt, als Rudelanführer, der seine Position mit ziemlich brutalen Mitteln verteidigt, sodaß es die anderen Tiere nicht wagen bei ihm in Mißgunst zu fallen, da sie seine Rache fürchten. Lediglich einige Jungtiere erheben sich zuweilen gegen ihn, aber diesen werden von den „Ministern“ des Nasenbärs die Hörner gestutzt. Diese „Minister“ sind: der Longus Zwergus (dessen Sozialverhalten eher etwas ausgeprägter ist, als das der anderen Tiere), der Stasius Ohrus (der sehr launisch ist und bei dem man nie weiß woran man, und wo er ist), und zu guter Letzt der aggressivste und gefährlichste der drei „Minister: der Frauhassus Bärus, der sich als Stellvertreter des Nasenbärs aufspielt und durch seine I Drohgebärden zeigen will, wie gefährlich und wichtig er ist und daß ohne ihn im Reich des Nasenbärs nichts laufen würde. Dieses Wichtig-Tun macht ihn unter den anderen Tieren meist lächerlich, welche es aber aus Angst vor ihm nicht zeigen. Diesen vier, dem Konservativus Gellus, dem Longus Zwergus, dem Stasius Ohrus und dem Frauhassus Bärus unterliegt das Gebiet der Heimschule St. Landolin, das sie um jeden Preis, so wie es ist, zu erhalten versuchen. Jede Neuerung wird schon im Keim erstickt und die progressiven Tiere werden unterdrückt.

Auch die jungen Wissenschaftler haben es nicht leicht mit diesen Vier. Außerdem gibt es noch Probleme mit einigen anderen Tieren, die ihnen nicht gut gesonnen sind, wie zum Beispiel dem Alfredus Eus. Weiter in Zugzwang werden die Wissenschaftler durch eine zweite Forschungsgruppe gebracht, die ihrerseits dieses Gebiet für sich beansprucht und versucht, bessere Ergebnisse zu erzielen, was sich jedoch noch herausstellen wird. Am besten wäre es, wenn sich beide Gruppen zusammenschlieben würden und gemeinsam die Erforschung dieser Tiere in Angriff nehmen könnten. Versuche in dieser Richtung wurden schon mit Erfolg gestartet. Zusammen ist man immer stärker und man kann den Gefahren, denen man ausgesetzt ist, gemeinsam ins Auge sehen.

Es ist schon wirklich gefährlich, wenn man sich auf dieses Gebiet begibt und wenn man dies auch noch freiwillig tut, muß man irre sein. Die Gefahr geht hauptsächlich von den vier Führungstieren aus. Man kann zum Beispiel, wenn man von einer Nachterkundung in die Forschungsstation zurück kommt, nur vor einer bestimmten Zeit hineingelangen, ohne daß man einen Kampf mit dem Nasenbär riskiert, der einen dann so lange aufhält, daß man keine Zeit mehr für seine Studien hat. Wenn man es aber doch einmal nach der kritischen Zeit geschafft hat in die Gewölbe der Station zu kommen (Gewölbe eines Bauwerkes einer primitiven Spezies, wenig ansehnlich) ist es fast unvermeidlich dem Stasius Ohrus nicht zu begegnen. Dieser kann durch sein speziell ausgeprägtes Gehör Geräusche innerhalb des ganzen Bauwerkes, in dem er sich, was so scheint, fast überall zur gleichen Zeit aufhält, wahrnehmen. Jedoch im Gegensatz zum Nasenbär ist er fast zutraulich und verspielt aber dennoch eine Autoritätsperson, da er sehr launisch ist.

Dies sind nur einige Beispiele dafür,welchen Gefahren besonders die eine Forschergruppe entgegentreten muß, um an ihr ersehntes Ziel zu gelangen, denn das Verhalten der Tiere, besonders das der Führungstiere, scheint so zu sein, daß sie dem anderen Team friedlich gesonnen sind. Es hat den Anschein, daß sie die eine Gruppe regelrecht bekämpfen und es ihr schwer machen, einigermaßen gute Forschungsergebnisse zu erzielen. Gegenüber den anderen aber verhalten sie sich zutraulich und lassen sich ohne weteres studieren. Es mag wohl daran liegen, daß dieses Forschungsteam schon seit neun Jahren ununterbrochen seine Studien betreibt und die Tiere sie „in ihr Herz“ geschlossen haben. Dagegen kann die Gruppe, die erst seit drei Jahren auf diesem Gebiet forscht, beim besten Willen nichts machen. Sie hat zwar versucht, sich mit den Tieren zu arrangieren, aber bei den Meisten ist sie dabei auf taube Ohren gestoßen.

Trotz alledem wird dieses Wissenschaftlerteam demnächst sein Ergebnis der Erforschung des Gebietes der Heimschule präsentieren. Eines kann man aber jetzt schon sagen – es wird düster ausfallen! Wie uns gestern der Leiter der Forschungsgruppe, Dr. W. G. Dreizehn sagte, müsse sich etwas in Richtung Fortschritt ändern, sonst ist das überleben der Tiere auf diesem Gebiet gefährdet. Ihre Existenz beruht nämlich nur auf der Tatsache, so Dr. W. G. Dreizehn, daß es der Nasenbär verstanden hat, sich und die Anderen von der Außenwelt abzuschotten, indem er ein ziemlich abgelegenes Gebiet ausgesucht hat um in Ruhe zu regieren. Jetzt aber, da die jungen Wissenschaftler dieses Gebiet erforscht haben, wird die ganze Welt erfahren, wie das leben dort abläuft und „… ohne Anpassung an die fortschrittliche Denkweise einer demokratischen Ordnung werden diese Arten nicht lebensfähig sein.“ (Der auszog erwachsen zu werden).

Doris Fäger – freie Mitarbeiterin



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